Aktivistin übergibt Weimers Jugendgedichte in Power-Ranger-Kostüm an Nationalbibliothek
Wilhelm RoskothAktivistin übergibt Weimers Jugendgedichte in Power-Ranger-Kostüm an Nationalbibliothek
Die Aktivistin Martha Root hat der Deutschen Nationalbibliothek eine seltene Ausgabe der Gedichtsammlung Kopfpilz des Kulturministers Wolfram Weimer aus dem Jahr 1986 überreicht. Das Buch war ein Selbstverlag Weimers, als dieser erst 22 Jahre alt war. Roots Spende im Mai 2023 erfolgte mit einer öffentlichen Stellungnahme, in der sie die Politik des Ministers und dessen frühere Handlungen kritisierte.
Die Übergabe filmte Root in einem pinkfarbenen Power-Ranger-Kostüm – einer Verkleidung, die sie bereits im Dezember 2022 genutzt hatte. Damals hatte sie sich während des Chaos Communication Congress in die rechtsextreme Dating-Plattform White Date eingeschleust.
Bekanntheit erlangte die Gedichtsammlung bereits im November 2022, als der Satiriker Jan Böhmermann Kopfpilz in der Sendung ZDF Magazin Royal vorstellte. Daraufhin ließ Weimers Anwalt eine juristische Abmahnung zukommen.
Root digitalisierte das Buch zudem und stellte es auf Archive.org zum freien Download bereit. In einem Video kündigte sie ihre Aktion an und warf Weimer vor, linke Buchhandlungen von einer Preisverleihung ausgeschlossen zu haben. Zudem äußerte sie Bedenken hinsichtlich möglicher Interessenkonflikte. Die Bibliothek benötigte einige Zeit, um die Spende zu bearbeiten, sodass die offizielle Aufnahme in den Katalog verzögert wurde.
Mittlerweile hat Root angekündigt, ein physisches Exemplar von Kopfpilz versteigern zu wollen. Der Erlös soll ihrer Initiative Lesen Hilft zugutekommen, die linke Buchläden unterstützt. Sie argumentiert, dass Weimers Weigerung, sich mit seinem frühen Werk auseinanderzusetzen, mit seiner heutigen Rolle in der Kulturpolitik unvereinbar sei.
Durch Roots Spende ist Kopfpilz nun Teil des nationalen Bestands. Die digitale Version des Buches bleibt online zugänglich, während die Versteigerung ihre Advocacy-Arbeit finanzieren soll. Weimers frühes Schaffen steht aufgrund ihrer Aktionen erneut im öffentlichen Fokus.






