ARD und ZDF setzen auf emotionalen Journalismus – doch verlieren sie dabei die Balance?
Ella WeihmannARD und ZDF setzen auf emotionalen Journalismus – doch verlieren sie dabei die Balance?
ARD und ZDF setzen auf persönlichen, emotionalen Journalismus – doch um welchen Preis?
Die öffentlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF verändern ihre Nachrichtenberichterstattung grundlegend. Immer stärker setzen sie auf persönliche, emotional geprägte Erzählformen, in denen die Reporter:innen im Mittelpunkt stehen. Damit wollen sie vor allem jüngere Zuschauer:innen erreichen – doch die Frage nach der ausbalancierten Berichterstattung stellt sich zunehmend.
Die neuen Formate brechen mit der traditionellen Ausrichtung auf Objektivität und Neutralität. Stattdessen stehen Authentizität und persönliche Nähe im Vordergrund, oft dominiert die subjektive Perspektive der Reporter:innen. Zwar kommt dieser Stil bei jungen Zielgruppen gut an, Kritiker:innen warnen jedoch, dass dadurch die eigentlichen Themen in den Hintergrund geraten könnten.
Eine Studie analysierte fünf dieser Formate: VOLLBILD, exactly, Ultraviolett stories, Crisis – Hinter der Front und PULS Reportage. Sie sprechen vor allem jüngere Zuschauer:innen an, die sie als zugänglicher empfinden als klassische "von oben herab" vermittelte Nachrichten. Allerdings leiden manche Formate unter sich wiederholenden Themen und einem Mangel an tiefgründiger Recherche.
Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass junge Zielgruppen die wachsende Zahl ähnlicher, ich-bezogener Formate allmählich überdrüssig werden. Dennoch scheint der Trend zu "Erzähler:innen in der ersten Person" nicht mehr umkehrbar. Die klassischen Maßstäbe der Berichterstattung werden voraussichtlich nicht zurückkehren, da die Sender versuchen, emotionale Ansprache und journalistische Sorgfalt in Einklang zu bringen.
Die lineare TV-Reichweite traditioneller Formate wie Terra X (ZDF) lag 2023 bei durchschnittlich 3,55 Millionen Zuschauer:innen und einem Marktanteil von 14,8 Prozent. Gleichzeitig verzeichnete das Angebot in der Mediathek einen deutlichen Aufschwung: Die Abrufzahlen stiegen von 6,34 Millionen im Jahr 2010 auf über 30 Millionen 2023, während die YouTube-Videos mehr als 175 Millionen Aufrufe erreichten. Demgegenüber wenden sich jüngere Zuschauer:innen (14–29 Jahre) zunehmend Streaming-Diensten und sozialen Medien zu – mit der Folge, dass die lineare Reichweite traditioneller Formate sinkt.
Der Aufstieg des persönlich geprägten Journalismus markiert einen klaren Wandel im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Zwar gelingt es den neuen Formaten, jüngere Zielgruppen anzusprechen, doch gleichzeitig geraten bewährte journalistische Prinzipien unter Druck. Die Sender stehen nun vor der Herausforderung, Glaubwürdigkeit zu wahren und sich zugleich an veränderte Sehgewohnheiten anzupassen.






