29 June 2026, 18:42

Bachmann-Preis 2024: Glut, Geldnot und große Literatur unter der Juni-Sonne

Gegen alles in Frontalopposition

Bachmann-Preis 2024: Glut, Geldnot und große Literatur unter der Juni-Sonne

Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur fanden diesen Juni unter glühender Hitze statt – ein Ereignis, das oft mit einem Tribunal verglichen wird. Sieben Jurorinnen analysierten hier die Texte der Autor:innen in einer Atmosphäre, die an Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan erinnerte, in dem Gott selbst auf der Anklagebank sitzt, beladen mit ungesühntem Schuldgefühl.

Dieses Jahr dominierten wirtschaftliche Nöte die Debatten. Slata Roschal kritisierte die literarische Institution scharf für ihre schlecht bezahlten Stipendien und die mageren Gewinnspannen, die die meisten Schriftsteller:innen in prekären Verhältnissen zurücklassen. Zudem kündigte sie an, die Bühne unmittelbar nach ihrer Lesung zu verlassen – eine Verweigerungshaltung gegenüber der Jury.

Auch die Jury kam immer wieder auf die finanzielle Not zu sprechen. Als Roschal gefragt wurde, ob sie ihr Preisgeld teilen würde, zögerte sie. Und selbst in ihrem eigenen Text wurde das Thema Prekarität nur am Rande gestreift.

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Mehrere Autor:innen wurden für ihr Werk ausgezeichnet: Christiane Schaette erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis sowie den Publikumspreis für Was wir tragen, eine schonungslose Auseinandersetzung mit der lebenslangen Gewalt, der dicke Menschen ausgesetzt sind. Ozan Zakariya Keskinkılıç gewann den Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn, ein einfühlsames Porträt eines schwulen Vaters, zerrissen zwischen seinem Sohn und seinem Geliebten. Kinga Tóth wurde mit dem KELAG-Preis geehrt für ihre scharfe, polyphone Schilderung eines „Ostblock-Mädchens“ und seiner alltäglichen Demütigungen.

Die Bachmann-Preis-Verleihung zeigte einmal mehr sowohl literarisches Talent als auch die harten wirtschaftlichen Realitäten des Schreibens. Die Gewinner:innen erhielten Anerkennung und beträchtliche Preisgelder. Die Veranstaltung festigte ihren Ruf als Ort des Feierns – und der schonungslosen Kritik.

Quelle