Berlin erzwingt Ausbildungsquoten – Unternehmen zahlen oder bilden aus
Wilhelm RoskothBerlin erzwingt Ausbildungsquoten – Unternehmen zahlen oder bilden aus
Berlin führt eine neue Ausbildungsabgabe ein, die Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten bestraft, wenn sie ihre Ausbildungsquoten nicht erfüllen. Ab 2028 müssen Firmen sicherstellen, dass ihr Ausbildungsanteil dem bundesweiten Durchschnitt von 4,6 Prozent entspricht – andernfalls drohen finanzielle Konsequenzen. Die Maßnahme stößt bei Unternehmensvertretern auf Kritik, die bemängeln, dass die Politik grundlegende Probleme auf dem Arbeitsmarkt ignoriert.
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat kürzlich das umstrittene Gesetz verabschiedet. Demnach müssen Unternehmen mit zehn oder mehr Mitarbeitenden in einen zentralen Fonds einzahlen, falls ihre Ausbildungsquote unter dem nationalen Richtwert liegt. Durch die Abgabe sollen jährlich rund 75 Millionen Euro eingenommen werden.
Aktuell wären nur etwa 25 Prozent der Berliner Betriebe (mit mindestens zehn Beschäftigten) betroffen, da kleinere Unternehmen ausgenommen bleiben. Doch selbst bei größeren Firmen liegt die Ausbildungsquote in der Hauptstadt bei nur 3,1 Prozent – deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 4,6 Prozent. Kritiker werfen der Politik vor, Branchen zu belasten, in denen klassische Berufsausbildungen schlicht nicht zum Geschäftsmodell passen.
Moritz Kreppel, Gründer von Urban Sports Club, verurteilte die Entscheidung und argumentierte, Berlin bestrafe damit Branchen, die es nicht verstehe. Sein Unternehmen, das keine traditionellen Ausbildungsplätze anbietet, muss künftig zwangsläufig in den Fonds einzahlen. Marius Meiners von Peec AI pflichtete dieser Kritik bei und bezeichnete die Abgabe als weitere Belastung, die die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands für Unternehmen schwäche.
Ralph Hage, Gründer von Lap Coffee, nannte die Politik ein "falsches Signal" der Stadt. Sein Unternehmen setzt auf Automatisierung und visuelles Lernen statt auf klassische Ausbildung. Agnieszka Walorska von Mika verwies unterdessen auf ein tieferliegendes Problem: Immer mehr junge Menschen in Berlin verlören das Interesse an der dualen Berufsausbildung.
Die neue Abgabe tritt 2028 in Kraft und zwingt betroffene Unternehmen, entweder mehr Ausbildungsplätze zu schaffen oder in den Fonds einzuzahlen. Da derzeit nur ein Viertel der relevanten Betriebe die Vorgabe erfüllt, müssen sich viele anpassen – oder Strafzahlungen in Kauf nehmen. Ob die Maßnahme tatsächlich mehr Ausbildungsmöglichkeiten schafft oder die ohnehin bestehenden Herausforderungen für Unternehmen weiter verschärft, bleibt abzuwarten.






