13 March 2026, 16:47

Buchhandlung in Bremen löst Streit um provokanten Slime-Spruch aus

Ein aufgeschlagenes Buch mit dem Titel "Die Geschichte Deutschlands" zeigt eine Schwarz-Weiß-Illustration einer Stadtlandschaft mit Gebäuden, Menschen und Himmel sowie begleitenden Text.

"Deutschland, verrecke" - Bremer Buchhandlung in der Kritik - Buchhandlung in Bremen löst Streit um provokanten Slime-Spruch aus

Buchhandlung in Bremen wird zum Zentrum eines politischen Streits nach kontroversem Spruch an der Fassade

Die Bremer Buchhandlung "Golden Shop" steht im Mittelpunkt einer politischen Kontroverse, nachdem an ihrer Fassade der provokante Slogan "Deutschland verrecke bitte" prangte – eine Zeile, die von der Punkband Slime stammt. Kulturminister Wolfram Weimer strich den Laden kürzlich von der Shortlist eines renommierten Preises, was Empörung über die Einschränkung der künstlerischen Freiheit auslöste.

Der Spruch ist Teil einer künstlerischen Collage an der Außenwand der Buchhandlung, die auch Zitate von Karl Kraus, Marshall McLuhan und anderen Kulturgrößen zeigt. Die Anwältin des Ladens, Lea Voigt, erklärte, es handele sich um einen direkten Songtext aus Slimes Lied "Deutschland" von 1981. Sie verwies auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2016, das den Song als geschützte künstlerische Äußerung im Sinne des Grundgesetzes einordnete. Die Richter sahen darin eine überzogene, aber legitime Kritik am Nationalismus – inspiriert von Oscar Wildes satirischem Gedicht "Symphonie in Weiß" und Heinrich Heines "Die schlesischen Weber" (1844) – und nicht etwa einen Aufruf zur Gewalt.

Weimer rechtfertigte seine Entscheidung, "Golden Shop" und zwei weitere linksgerichtete Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis auszuschließen, mit der Begründung, sie stellten eine Gefahr für die verfassungsmäßigen Werte dar. Der Preis "dürfe nicht an Staatsfeinde" gehen, so der Minister, der die Preisverleihung absagte und stattdessen die Preisgelder sowie Urkunden direkt an die Gewinner überweisen ließ. Seine Vorgehensweise löste Forderungen nach seinem Rücktritt aus; Kritiker werfen ihm Zensur und einen Angriff auf die Meinungsfreiheit vor.

Kurz darauf kam es zu Protesten vor der Buchhandlung. Während Unterstützer die Fassade als berechtigtes Kunstprojekt verteidigten, verurteilten Gegner den Spruch als unnötig provokant.

Der Streit um die Auszeichnung bleibt vorerst ungelöst, doch die rechtliche Bewertung ist klar: Der Slogan gilt als geschützte künstlerische Äußerung. Weimers Eingreifen hat die Debatte verschärft, wo die Grenze zwischen politischer Opposition und staatlich geduldeter Meinungsäußerung verläuft. Die Buchhandlung zeigt den umstrittenen Spruch weiterhin als Teil ihrer kuratierten Fassade.

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