EMAF-Festival in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin und Antisemitismus-Vorwürfe
Lia JunitzEMAF-Festival in Osnabrück: Streit um palästinensische Künstlerin und Antisemitismus-Vorwürfe
Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück sieht sich mit Kritik konfrontiert, nachdem es beschlossen hat, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Rula Al-Sharif zu zeigen. Der Streit dreht sich dabei nicht um ihr künstlerisches Werk selbst, sondern um politische Äußerungen der Künstlerin in sozialen Medien, die zu Vorwürfen des Antisemitismus und der Unterstützung der BDS-Bewegung geführt haben. Lokale Politiker, darunter Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, haben daraufhin ihre Unterstützung für das Festival zurückgezogen.
Auslöser der Kontroverse war die Ankündigung des EMAF, Al-Sharifs Film "Morning Circle" in sein Programm aufzunehmen. Kritiker verwiesen auf ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken, darunter ein Halloween-Foto, auf dem sie ein Kostüm mit einem roten Dreieck trägt – ein Symbol, das manche mit antisemitischen Darstellungen in Verbindung bringen. Nicht der Film, sondern diese Posts standen im Mittelpunkt der Empörung.
Die Osnabrücker Stadtverwaltung hat sich öffentlich vom Festival distanziert, während Ministerpräsident Lies seine Schirmherrschaft zurückzog. Der Kulturdezernent der Stadt, Wolfgang Beckermann, erklärte, er hätte es vorgezogen, wenn das Festival auf Al-Sharifs Werk verzichtet hätte, und verwies auf die Gefahr, ungewollt antisemitische Positionen zu fördern. Dennoch bleibt die finanzielle Förderung des Festivals – rund 150.000 Euro jährlich aus städtischen Mitteln – unverändert.
Die Debatte hat auch politische Reaktionen ausgelöst. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, argumentierte, dass das Schweigen palästinensischer Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung ungerecht sei. Die Festivalverantwortlichen verteidigten unterdessen ihre Entscheidung und betonten, dass das EMAF in der Vergangenheit bereits mit palästinensischen Künstlern zusammengearbeitet habe, zugleich aber auch jüdische und israelische Perspektiven in sein Programm einbeziehe.
Trotz des Entzugs der offiziellen Unterstützung wird Al-Sharifs Film wie geplant gezeigt. Der Fall verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Verantwortung bei kulturellen Veranstaltungen. Die finanzielle Förderung durch die Stadt Osnabrück bleibt vorerst gesichert, sodass das Festival wie vorgesehen stattfinden kann.






