EZB warnt vor Inflationsrisiken durch Ölpreise nahe 100-Dollar-Marke
Michael TextorEZB warnt vor Inflationsrisiken durch Ölpreise nahe 100-Dollar-Marke
Die weltweiten wirtschaftlichen Belastungen nehmen zu, da Konflikte und Energieschocks die Märkte erschüttern. Die US-Notenbank (Federal Reserve) hat ihre Verluste im Jahr 2025 auf 18,7 Milliarden US-Dollar begrenzen können – begünstigt durch niedrigere Zinsen und eine verkleinerte Bilanz. Unterdessen warnt die Europäische Zentralbank (EZB), dass die stark gestiegenen Ölpreise – die sich mittlerweile der Marke von 100 US-Dollar pro Barrel nähern – die Inflation in die Nähe ihrer worst-case-Szenarien treiben.
Auch Japan hat Signal gegeben, bei weiterem Währungsverfall intervenieren zu wollen, da die finanzielle Instabilität wächst.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde skizzierte einen dreistufigen Plan zur Bewältigung der Energiekrise, die durch den Iran-Konflikt ausgelöst wurde. Zunächst solle man kurzfristige Preissprünge ignorieren, da eine zu schnelle geldpolitische Reaktion mehr schaden als nützen könnte. Im zweiten Schritt sei eine Anpassung der Politik nur dann vorgesehen, wenn die Inflation das Ziel vorübergehend, aber nicht gravierend übersteigt. Als letzte Maßnahme droht eine entschlossene Gegenwehr, falls die Inflation droht, dauerhaft zu werden und die Erwartungen zu destabilisieren.
Die aktuellen Ölpreise liegen nahe am negativen Szenario der EZB, in dem die Gesamtinflation vorübergehend auf 4 Prozent steigen könnte, bevor sie wieder sinkt – mit geringen Auswirkungen auf die Kerninflation. Ein schwerwiegenderer Schock jedoch könnte einen anhaltenden Inflationsschub und eine leichte Rezession im Euroraum auslösen. Die Modelle der EZB gehen von Zinssätzen aus, die bei rund 2 Prozent verharren, ohne dass kurzfristige Änderungen geplant sind.
Unterdessen warnte Japans oberster Währungshüter vor bevorstehenden Maßnahmen, um eine weitere Abwertung des Yen zu verhindern. Auch die anstehenden Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) sagen höhere Preise und ein verlangsamtes globales Wachstum voraus. Zwar bleiben die Nahrungsmittelkosten dank guter Ernten und Lagerbestände stabil, doch die Störungen im Schiffsverkehr halten an: Der Verkehr durch den Suezkanal hat sich von den Huthi-Angriffen des Jahres 2023 noch nicht erholt, was Ängste vor einer Eskalation in der Straße von Hormus schürt.
In Großbritannien erwartet Karen Ward von JPMorgan, dass die Bank of England die Zinsen in diesem Jahr stabil halten wird, um die Wirtschaft nicht zusätzlich zu belasten.
Die Szenarien der EZB deuten auf eine fragile Erholung hin, falls sich die Energieschocks abschwächen. Eine tiefere Krise jedoch könnte die Stagnation verlängern. Die aktuellen Ölpreise von rund 100 US-Dollar pro Barrel entsprechen eher kurzfristigen Ausschlägen als langfristigen Prognosen. Angesichts der Vorbereitungen der Zentralbanken auf verschiedene Entwicklungen bleiben die Märkte weiterhin von Unsicherheit geprägt, während geopolitische Spannungen und Risiken im Schiffsverkehr bestehen.
Die reduzierten Verluste der Fed bringen zwar etwas Entlastung, doch die übergeordneten wirtschaftlichen Risiken bleiben bestehen.






