Fürther Jugendrat fordert radikale Wende: Hilfe statt Strafe bei Armutskriminalität
Wilhelm RoskothFürther Jugendrat fordert radikale Wende: Hilfe statt Strafe bei Armutskriminalität
Der Fürther Jugendrat drängt auf grundlegende Änderungen im Umgang der lokalen Behörden mit Kriminalität und Gewalt. Sein neuer Antrag „Hilfe statt Strafe – Gemeinsam gegen Gewalt“ wird am 1. Juli 2023 beraten. Der Vorschlag setzt auf Unterstützung statt Bestrafung für Menschen, die aus Armut heraus straffällig werden, und fordert gleichzeitig konsequentere Maßnahmen gegen sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt.
Der Antrag knüpft an frühere Diskussionen über Schwarzfahren an. Ursprünglich hatte der Jugendrat argumentiert, dass Fälle von Fahrpreishinterziehung aus Armut nicht an die Behörden gemeldet werden sollten. Nun hält er die aktuellen Maßnahmen für unzureichend und strebt einen grundsätzlichen Wandel an.
Alexander Bohn, der Vorsitzende des Jugendrats, betont die Notwendigkeit von aufsuchender Sozialarbeit, um Armut an der Wurzel zu bekämpfen. Seine Stellvertreterin Julia Dierauf ergänzt, dass junge Straftäter in schwierigen Lebenslagen gezielte Hilfe benötigen. Das Vorstandsmitglied Clemens Trompke weist auf den besorgniserregenden Anstieg sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt hin.
Um diese Probleme anzugehen, schlägt der Jugendrat eine zentrale Meldestelle für Gewalt vor, die auch anonyme Hinweise entgegennimmt. Zudem sollen Jugendhilfeeinrichtungen frühzeitig in Strafverfahren einbezogen werden. Weitere Vorschläge umfassen den Ausbau von Streetwork und mobilen Jugenddiensten, um gefährdete Personen besser zu unterstützen.
Der Antrag wird im Juli offiziell beraten. Sollte er angenommen werden, könnte er die Herangehensweise der lokalen Behörden bei armutsbedingten Straftaten und Gewalt grundlegend verändern. Der Jugendrat setzt weiterhin auf Prävention und Unterstützung statt auf Bestrafung.
