Glasfaserausbau: Warum offener Netzzugang die Zukunft des Internets in Deutschland prägt
Lia JunitzGlasfaserausbau: Warum offener Netzzugang die Zukunft des Internets in Deutschland prägt
Offener Netzzugang rückt in den Mittelpunkt des Glasfaserausbaus in Deutschland
Mit fast 300 Netzbetreibern, die bundesweit Glasfasernetze ausbauen, gewinnt die Forderung nach gemeinsamer Nutzung der Infrastruktur zunehmend an Fahrt. Neue Vorschriften und Branchenvereinbarungen prägen nun, wie Anbieter zusammenarbeiten, um die wachsende Nachfrage nach Auswahlmöglichkeiten und Wettbewerb zu bedienen.
Die Bewegung hin zu offenem Netzzugang hat in den letzten Monaten an Dynamik gewonnen. Die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge kündigten an, ihr Glasfasernetz bis 2030/2031 für Drittanbieter zu öffnen. Gleichzeitig bereitet Plusnet den Start eigener Dienste über die Netze von OXG vor – ein weiterer Schritt in Richtung geteilter Infrastruktur.
Auch die Branche setzt auf standardisierte Lösungen, um die Zusammenarbeit zu erleichtern. Die Einführung von S/PRI, einer einheitlichen Schnittstelle, vereinfacht nun die Kompatibilität zwischen verschiedenen Glasfasernetzen. Deutsche GigaNetz hat bereits Partnerschaften mit dem schwedischen Internetdiensteanbieter Bahnhof und Westconnect geschlossen – ein Zeichen für das grenzüberschreitende Interesse an offenen Netzzugangsmodellen.
Doch bleiben Herausforderungen. Steven Blount von EWE Tel räumte ein, dass offener Netzzugang höhere Anfangsinvestitionen erfordert, betonte aber, dass er entscheidend sei, um die Netzwerkauslastung zu maximieren. Gleichzeitig wies Frank Rosenberger von 1&1 Versatel darauf hin, dass 83 Prozent der Kunden aktiv die Möglichkeit wünschen, zwischen mehreren Anbietern wählen zu können.
Wo freiwillige Absprachen nicht ausreichen, greifen die Regulierungsbehörden ein. Daniela Brönstrup, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur (BNetzA), forderte strengere Kontrollen für Fälle, in denen offener Netzzugang nicht zustande kommt. Der Entwurf des Telekommunikationsgesetzes (TKG) sieht nun eine Verhandlungspflicht für Drittanbieterzugang in Gebieten vor, in denen nur ein wirtschaftlich tragfähiges Glasfasernetz existiert.
Der Druck in Richtung offenen Netzzugangs verändert den deutschen Glasfasermarkt. Mit neuen Partnerschaften, standardisierten Schnittstellen und regulatorischem Druck wird erwartet, dass in den kommenden Jahren mehr Betreiber ihre Netze teilen werden. Für Verbraucher könnte dies eine größere Auswahl und mehr Wettbewerb bei Hochgeschwindigkeits-Internetdiensten bedeuten.






