Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis für ihren Kampf um Demokratie in Belarus
Michael TextorSpätverleihung des Karlspreises an belarussische Oppositionsfigur Kolesnikova - Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis für ihren Kampf um Demokratie in Belarus
Die belarussische Oppositionsfigur Maria Kolesnikowa hat am Samstag in Aachen den Internationalen Karlspreis erhalten. Die im Jahr 2022 verliehene Auszeichnung ehrt ihren Einsatz für Demokratie und freie Wahlen in Belarus. Kolesnikowa nahm den Preis während einer feierlichen Zeremonie in der historischen Krönungshalle der Stadt entgegen.
Der Karlspreis würdigt seit 1950 herausragende Verdienste um die Entwicklung Europas. Zu den früheren Preisträgern zählt unter anderem der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, der 2023 ausgezeichnet wurde. Kolesnikowas Auszeichnung unterstreicht ihren "außergewöhnlichen Mut" im Widerstand gegen das autoritäre Regime.
Kolesnikowa war 2020 wegen ihrer Rolle bei Massenprotesten gegen den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko inhaftiert worden. Ein Gericht verurteilte sie später zu elf Jahren Haft in einer Strafkolonie. Ihre Freilassung erfolgte im Dezember 2025 im Rahmen einer Gruppe von 123 politischen Gefangenen, die von Lukaschenkos Regierung begnadigt wurden.
Nach ihrer Entlassung nahm Deutschland sie auf; nun soll sie politisches Asyl erhalten. Dieser Schritt folgt auf Jahre der Repression in Belarus, wo Oppositionsfiguren wie Swetlana Tichanowskaja im Exil leben. Trotz der Haftentlassungen berichten UN-Experten weiterhin über anhaltende Menschenrechtsverletzungen und erzwungene Verbannungen.
Bei der Verleihung in Aachen bezeichnete Armin Laschet, Vorsitzender des Karlspreis-Direktoriums, Kolesnikowas Anwesenheit als ein kraftvolles Zeichen der Solidarität. Er betonte, ihr Kampf stehe stellvertretend für den größeren Einsatz für Freiheit und Demokratie in ganz Europa.
Seit den Freilassungen 2025 bemüht sich Belarus um eine Verbesserung der Beziehungen zum Westen, zu China und sogar zu den Taliban. Dennoch hält die Repression an, und großangelegte Proteste sind ausgeblieben. Die UN und Menschenrechtsorganisationen fordern die vollständige Freilassung aller politischen Gefangenen sowie ein Ende der Zwangsvertreibungen.
Kolesnikowas Auszeichnung kommt nach Jahren der Haft und des Exils. Der Karlspreis unterstreicht ihre zentrale Rolle in der prodemokratischen Bewegung Belarus'. Gleichzeitig bleibt ihr Fall ein Brennpunkt in den anhaltenden Debatten über Menschenrechte und politische Unterdrückung im Land.