Mittelstand ausgeschlossen: Warum Deutschlands Wirtschaft ohne KMU reformiert wird
Michael TextorMittelstand ausgeschlossen: Warum Deutschlands Wirtschaft ohne KMU reformiert wird
Deutschlands Mittelstand bleibt bei Schlüsselgipfel zu Wirtschaftsreformen außen vor
Der von der Bundesregierung einberufene Spitzengipfel zu wirtschaftlichen Reformen findet ohne die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) statt. Das im Kanzleramt organisierte Treffen bringt zwar Bundeskanzler Friedrich Merz, Gewerkschaften und Großarbeitgeberverbände an einen Tisch – doch der Mittelstand, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, ist nicht eingeladen. Branchenverbände üben nun scharfe Kritik an dieser Ausgrenzung.
Ziel des Gipfels ist es, drängende wirtschaftliche Probleme anzugehen. Doch Vertreter der KMU werfen der Regierung vor, ihre Anliegen zu ignorieren. Elf Wirtschaftsverbände, darunter der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), verurteilen die geplante Runde als gezielte Ausgrenzung des Mittelstands. Christoph Ahlhaus, Hauptgeschäftsführer des BVMW, moniert, das Treffen spiegle nicht die tatsächliche Vielfalt der deutschen Wirtschaftslandschaft wider. Stattdessen konzentriere es sich einseitig auf den industriellen Kern – und lasse die überwiegende Mehrheit der kleineren Betriebe außer Acht.
Die Verbände verweisen auf langjährige, ungelöste Forderungen wie Bürokratieabbau, eine Reform der Einkommensteuer und mehr Flexibilität im Arbeitsrecht. Ahlhaus warnt, dass frühere Vereinbarungen – etwa das gescheiterte 1.000-Euro-Bonusmodell – die realen Herausforderungen der KMU nicht berücksichtigt hätten. Die Bundesregierung habe sich nach dem jüngsten Treffen in der Villa Borsig, bei dem unter Druck überstürzte Entscheidungen gefallen seien, in eine Sackgasse manövriert.
Wirtschaftliche Stagnation, schwache Investitionen und wachsende Unsicherheit unter den Unternehmen verschärfen die Sorgen. Der Mittelstand wurde von dem aus Sicht Ahlhaus „wichtigsten Gipfel dieser Legislaturperiode“ ausgeschlossen. Die Verbände fordern nun einen offenen, realitätsnahen Dialog, der ihre Branche einbezieht – und zwar bevor Reformen beschlossen werden.
Doch der Gipfel findet ohne den Mittelstand statt – obwohl dieser eine zentrale Rolle in der deutschen Wirtschaft spielt. Die Verbände bestehen darauf, dass jede sinnvolle Reform ihre Mitwirkung erfordert. Ohne sie, so die Warnung, drohten die vorgeschlagenen Lösungen an den Bedürfnissen der meisten Betriebe im Land vorbeizugehen.






