Neue Spritpreis-Regeln ab 1. April 2026: Nur noch eine tägliche Erhöhung erlaubt
Wilhelm RoskothNeue Spritpreis-Regeln ab 1. April 2026: Nur noch eine tägliche Erhöhung erlaubt
Die neuen Regeln für die Spritpreisgestaltung an deutschen Tankstellen treten nun am Mittwoch, den 1. April 2026, in Kraft – mit Verspätung. Ursprünglich hatte die Bundesregierung die Einführung für den vergangenen Samstag geplant, verschob den Termin jedoch nach Forderungen der Mineralölwirtschaft und des Bundeskartellamts. Kritiker werfen der Regierung vor, damit eine generelle Schwäche bei der Durchsetzung wirtschaftspolitischer Maßnahmen zu offenbaren.
Nach den überarbeiteten Vorschriften dürfen Tankstellen die Preise nur noch einmal täglich – um 12:00 Uhr mittags – erhöhen. Preissenkungen sind hingegen jederzeit ohne Einschränkungen möglich. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (TIV) begrüßt die Änderungen und bezeichnet sie als wirksames Instrument gegen die Macht der Ölkonzerne. Sprecher Herbert Rabl nannte die Regelungen das "schärfste Schwert", um unfaire Preispraktiken zu unterbinden.
Die Linke kritisiert die Verzögerung scharf. Die wirtschaftspolitische Sprecherin Janine Wissler sprach von "reiner Symbolpolitik" und zweifelte an, ob die Neuregelungen die Kosten für Autofahrer spürbar senken würden. Transparenz allein reiche nicht aus, um hohe Spritpreise zu drücken, betonte sie. Stattdessen schlug Wissler eine Übergewinnsteuer vor, um krisenbedingte Extraprofite abuschöpfen und die Mittel an Verbraucher weiterzugeben.
Rabl ergänzte, dass bei fairen Marktbedingungen das neue System nach der mittäglichen Preisanpassung zu einem intensiven Wettbewerb führen sollte. Bleiben die Preise jedoch künstlich hoch, könnte dies seiner Meinung nach auf eine verdeckte Absprache unter den Ölkonzernen hindeuten. Die Verschiebung des Stichtags erfolgte vor dem Hintergrund bereits stark gestiegener Spritpreise seit Ende Februar 2026, ausgelöst durch die Eskalation im Iran-Konflikt.
Die Regelungen gelten ab Mittwoch, wobei tägliche Preiserhöhungen auf die Mittagszeit beschränkt sind. Während der TIV durch den Wettbewerb mit sinkenden Preisen rechnet, fordert Die Linke nachdrücklich schärfere Maßnahmen. Beobachter werden nun prüfen, ob die Reform zu faireren Preisen führt – oder ob sie vielmehr strukturelle Probleme des Marktes offenlegt.






