Revolutionäres Schwarmkraftwerk: Wie der Rhein bald Strom aus Mini-Turbinen gewinnt
Wilhelm RoskothRevolutionäres Schwarmkraftwerk: Wie der Rhein bald Strom aus Mini-Turbinen gewinnt
Neue Art von Wasserkraftwerk wird am Rhein getestet
Das Unternehmen Energyminer testet am Rhein ein neuartiges Wasserkraftsystem: den Energyfish, eine kleine, schwimmende Turbine, die Strom aus der Strömung von Flüssen erzeugt. Bei St. Goar entsteht derzeit die erste Großinstallation dieser Art – ein „Schwarmkraftwerk“ aus 124 Einheiten.
Der Energyfish ist weder ein Staudamm noch ein klassisches Laufwasserkraftwerk. Vielmehr handelt es sich um ein kompaktes, schwimmendes Gerät mit den Maßen 2,8 Meter Länge, 2,4 Meter Breite und 1,4 Meter Höhe bei einem Gewicht von etwa 80 Kilogramm. Jede Einheit kann bis zu 6 kW Leistung erzeugen, im Durchschnitt sind es 1,8 kW. Für den Betrieb benötigt sie mindestens einen Meter Wassertiefe und eine Strömungsgeschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde.
Laut Energyminer kann eine einzelne Turbine jährlich rund 15 MWh Strom produzieren, ein Schwarm aus 100 Einheiten käme auf etwa 1,5 GWh pro Jahr. Das System soll rund um die Uhr, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit Grundlaststrom liefern – robust gegen Hochwasser, schonend für Fische und mit minimalem Wartungsaufwand.
Auch wirtschaftlich sieht die Bilanz vielversprechend aus: Die Stromgestehungskosten liegen dem Unternehmen zufolge bei etwa 8 Cent pro kWh, inklusive Investitionen, Betrieb und Instandhaltung. Bei einer Projektlaufzeit von 20 Jahren wird eine durchschnittliche Jahresrendite von mindestens 8 Prozent erwartet. Flüsse bieten zwar schwankende, aber in manchen Regionen zuverlässigere Energie als Sonne oder Wind – eine mögliche Alternative für die dezentrale Stromerzeugung.
Die Anlage in St. Goar markiert die erste Großinstallation des Energyfish-Systems. Dank kontinuierlicher Stromerzeugung, geringer Umweltbelastung und wettbewerbsfähiger Kosten könnte die Technologie für Gemeinden an geeigneten Flüssen eine attraktive Option sein. Das Projekt zeigt, wie kleinskalige Strömungsturbinen die lokale Energieversorgung ergänzen könnten.
