Sachsen-Anhalt riskiert Lohnausbeutung durch drastischen Kontrollrückgang
Lia JunitzSachsen-Anhalt riskiert Lohnausbeutung durch drastischen Kontrollrückgang
Sachsen-Anhalt steht vor einem drastischen Rückgang bei Betriebskontrollen und Lohnaufsicht
Zwischen 2022 und 2025 ist die Zahl der Unternehmen in Sachsen-Anhalt um über 3.500 gesunken, während gleichzeitig Kontrollen in den Bereichen Zoll, Arbeitsrecht und Landwirtschaft massiv zurückgegangen sind. Kritiker warnen nun, dass die lasche Durchsetzung Arbeitnehmer zunehmend anfällig für Lohnunterschreitung und Ausbeutung macht.
Das Ausmaß der Kürzungen bei den Kontrollen gibt Anlass zu ernster Sorge. Die Zollprüfungen in der Region liegen derzeit bei nur noch 42,4 Prozent des Niveaus von 2022. Bei dieser Rate würde ein durchschnittlicher Betrieb statistisch gesehen nur alle 90 Jahre eine Überprüfung erleben. Noch dramatischer ist die Situation in der Landwirtschaft: 2025 wurden lediglich neun von 2.105 Betrieben kontrolliert – ein Hof müsste im Schnitt 234 Jahre auf einen einzigen Besuch warten.
Auch die Arbeitgeberprüfungen durch die Finanzkontrolle illegaler Beschäftigung (FKS) sind stark zurückgegangen. Wurden 2022 noch 1.598 Kontrollen durchgeführt, waren es 2025 nur noch 691. Der Rückgang bei den Überwachungsmaßnahmen fällt mit anhaltenden Lohnproblemen zusammen. Aktuell verdienen 23,3 Prozent der Beschäftigten in Sachsen-Anhalt weniger als 15 Euro pro Stunde – obwohl der gesetzliche Mindestlohn Anfang 2026 auf 13,90 Euro angehoben wurde. In nicht tarifgebundenen Betrieben liegt der Anteil sogar bei 35 Prozent.
Der Linke-Abgeordnete David Schliesing bezeichnet die Lage als "Vollzugsblindheit" und macht chronischen Personalmangel dafür verantwortlich. Er fordert spezielle Staatsanwälte zur Verfolgung von Lohnverstößen sowie dringend Verstärkung für die Zollteams. Die Debatte dürfte sich weiter zuspitzen, da die Region sich auf eine geplante Lohnerhöhung 2027 vorbereitet.
Mit historisch niedrigen Kontrollquoten und einem erheblichen Anteil an Beschäftigten, die unter fairen Lohnstandards verdienen, zeigt sich: Die Durchsetzungskrise in Sachsen-Anhalt lässt nicht nach. Die für 2027 geplante Lohnerhöhung wird den Druck auf die Behörden weiter erhöhen, die Lücken in der Aufsicht zu schließen und die Einhaltung der Arbeitsgesetze sicherzustellen.






