Theater-Marathons feiern nach der Pandemie ein triumphales Comeback
Lange, immersive Theaterproduktionen erleben nach der Pandemie ein starkes Comeback
Deutsche Bühnen haben schon immer marathongleiche Aufführungen bevorzugt, doch aktuelle Trends zeigen: Das Publikum sehnt sich erneut nach epischer Erzählkunst. Das diesjährige Berliner Theatertreffen unterstreicht diese Nachfrage – Tickets für die ausufernden Inszenierungen sind rasant vergriffen.
Die Tradition ausgedehnter Vorstellungen in Deutschland reicht Jahrzehnte zurück. In den 1970er- und 1980er-Jahren trieb das Aufkommen des Regietheaters die Grenzen des Machbaren voran und führte zu längeren, ambitionierteren Produktionen. Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, verzeichnet seit 2007 einen stetigen Anstieg ultra-langer Stücke.
Während der Pandemie passten sich die Theater an, strichen Pausen und kürzten Aufführungen. Doch nun kehrt sich der Trend um: Die Münchner Kammerspiele zeigen beim diesjährigen Festival "Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen" – ein siebenstündiges Epos, das großes Aufsehen erregt. Gleichzeitig bringt die Berliner Volksbühne"Peer Gynt" auf die Bühne, wobei allein der erste Teil acht Stunden dauert.
Solche Produktionen stellen hohe Ansprüche an das Publikum. Sechs oder mehr Stunden für eine einzige Vorstellung einzuplanen, ist keine kleine Herausforderung. Doch der schnelle Ausverkauf der "Wallenstein"-Tickets deutet darauf hin, dass die Länge längst kein Abschreckungsgrund mehr ist.
Die Rückkehr der Theater-Marathons markiert einen Wandel in den Zuschauerpräferenzen. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern, doch der Erfolg dieser monumentalen Inszenierungen spricht für sich. Die Bühnen setzen wieder auf ausufernde, immersive Erlebnisse – und das Publikum ist bereit, sich darauf einzulassen.






