Deutschland testet Wehrtauglichkeit junger Erwachsener mit neuen Fragebögen
Wilhelm RoskothMilitärberater bei der Einberufung: 'Eltern' machen sich Sorgen - Deutschland testet Wehrtauglichkeit junger Erwachsener mit neuen Fragebögen
Deutschland hat damit begonnen, Fragebögen an junge Erwachsene zu versenden – Teil einer neuen Bewertung der Wehrtauglichkeit. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Sorgen um die Verteidigungsbereitschaft, insbesondere angesichts der jüngsten geopolitischen Spannungen. Zwar bleibt die Wehrpflicht weiterhin ausgesetzt, doch bereitet sich die Regierung auf mögliche Änderungen vor, falls die Zahl der Freiwilligen zu niedrig bleibt.
Am 15. Januar wurden die ersten Schreiben in Sachsen-Anhalt verschickt und läuteten damit den bundesweiten Start des Fragebogenverfahrens ein. Alle 18-jährigen Männer sind verpflichtet, ihn auszufüllen, während Frauen zur Teilnahme ermutigt, aber nicht rechtlich dazu verpflichtet werden. Die Umfrage soll die Eignung und Motivation für einen freiwilligen Wehrdienst ermitteln.
Seit Jahresbeginn verzeichnet die Bundeswehr einen Anstieg der Bewerbungen für den freiwilligen Dienst. Dennoch herrscht unter jungen Erwachsenen Unsicherheit über die Möglichkeit eines Krieges und ihre eigene Rolle darin. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) verzeichnet eine erhöhte Nachfrage nach ihren Beratungsangeboten, die jungen Menschen bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Militärdienst helfen sollen.
Die Regierung behält sich vor, bei Nichterreichen der Rekrutierungsziele eine "bedarfsorientierte Wehrpflicht" wieder einzuführen. Gleichzeitig bleibt die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen ein gesetzlich verankertes Recht – und die Zahlen steigen deutlich. 2025 wurden 2.830 Anträge genehmigt, und bis Ende Februar dieses Jahres waren es bereits 1.035.
Aktuelle Ereignisse wie der Angriff auf den Iran im April 2024 haben die Ängste weiter geschürt. Reservisten wenden sich mit Fragen zu möglichen Einsätzen der Bundeswehr an Beratungsstellen, auch wenn keine offiziellen Zahlen zu diesen Anfragen vorliegen.
Das Fragebogensystem soll das Interesse am Militärdienst ermitteln, während die Wehrpflicht vorerst ausgesetzt bleibt. Sollte die Zahl der Freiwilligen jedoch zu gering ausfallen, könnte die Regierung zu verpflichtenden Maßnahmen greifen. Bis dahin bleiben junge Erwachsene und ihre Familien mit den Konsequenzen einer militärischen Verpflichtung in einer unsicheren Welt konfrontiert.






