10 May 2026, 20:18

Flaggenstreit 1926: Wie Hindenburgs Verordnung die Weimarer Republik spaltete

Deutsche Flagge mit drei horizontalen Streifen in Schwarz, Rot und Gold, die ein schwarzes Doppeladler-Wappen in der Mitte zeigt.

Flaggenstreit 1926: Wie Hindenburgs Verordnung die Weimarer Republik spaltete

Der Flaggenstreit im Deutschland der Weimarer Republik erreichte 1926 einen Höhepunkt. Mit einer neuen Verordnung versuchte Reichspräsident Paul von Hindenburg, den langwierigen Konflikt zwischen den rivalisierenden Nationalsymbolen beizulegen. Doch der Schritt vertiefte nur die Gräben und zwang die politischen Lager, sich zwischen Schwarz-Rot-Gold und Schwarz-Weiß-Rot zu positionieren.

Jahre lang hatten die Farben die Nation gespalten – von Schulhöfen über Kirchen bis hin zu Stränden. Nun rückte die Regierungsentscheidung die Frage erneut in den Mittelpunkt der Politik.

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Die Ursprünge des Konflikts lagen im chaotischen Nachspiel der Jahre 1918/19. Selbst die Kommunisten, einst erbitterte Gegner des alten Kaiserreichs, unterstützten nun die republikanischen Farben Schwarz-Rot-Gold. Dieser Wandel zeigte, wie schnell sich die Loyalitäten seit der Revolution verfestigt hatten.

Bis zur Präsidentschaftswahl 1925 war die Spaltung deutlich sichtbar: Ein „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ stand einem „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“ gegenüber. Hindenburg, der Kandidat der kaisertreuen Fraktion, gewann die Wahl. Sein Sieg bestärkte die Konservativen in ihrem Vorhaben, zu den alten Farben zurückzukehren.

Im Mai 1926 erließ Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung. Sie verfügte, dass deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas sowohl die republikanische Trikolore als auch die Handelsflagge – Schwarz-Weiß-Rot mit dem kaiserlichen Oberwinkel – hissen mussten. Die Entscheidung folgte einem Vorschlag von Reichskanzler Hans Luther, der nach Forderungen der Deutschen Volkspartei (DVP) handelte, die alten Farben wieder einzuführen.

Die Rechte, angeführt von der DVP und der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), favorisierte seit Langem Schwarz-Weiß-Rot. Die Weimarer Koalition hingegen blieb kompromisslos bei Schwarz-Rot-Gold. Luthers Schritt war eine kalkulierte Provokation, die die Linke und die Mitte zwingen sollte, die republikanischen Farben ohne Zugeständnisse zu verteidigen.

Edwin Redslob, der Reichs-Kunstwart, hatte einst versucht, den Streit beizulegen. Seine Aufgabe bestand darin, die „künstlerische Gestaltung“ des Reiches zu definieren – doch eine einheitliche Reichsflagge schaffte er nicht. Der Konflikt war längst in den Alltag eingesickert: Schuljungen stritten sich über Mützenbänder, Pfarrer hissten kaiserliche Fahnen, und Urlauber schmückten ihre Sandburgen mit parteiischen Wimpeln.

Am 9. Mai versuchte Hindenburg mit einem offenen Brief, die Wogen zu glätten. Er rief zu einer verfassungsmäßigen Lösung auf, die beide Seiten versöhnen könnte. Doch der Schaden war bereits angerichtet. Die Flaggenfrage blieb ungelöst – ein Symbol für die tieferen politischen Brüche Deutschlands.

Die Verordnung von 1926 heilte den Riss nicht, sondern zementierte die Spaltung zwischen den Anhängern der Republik und den Nostalgikern des alten Kaiserreichs. Deutsche Vertretungen im Ausland hissten nun beide Fahnen, doch im Inland schwelte der Streit weiter.

Für viele waren die Farben über öffentlichen Gebäuden und Privathäusern mehr als nur Symbole. Sie standen für eine Nation, die noch immer um ihre Identität und Zukunft rang.

Quelle