Gericht stoppt Spiegel-Berichte zu Christian Ulmen im Deepfake-Skandal
Michael TextorGericht stoppt Spiegel-Berichte zu Christian Ulmen im Deepfake-Skandal
Das Hanseatische Oberlandesgericht hat eine einstweilige Verfügung gegen Der Spiegel im Zusammenhang mit dem Deepfake-Skandal um den Schauspieler Christian Ulmen erlassen. Das Urteil untersagt dem Magazin, bestimmte Vorwürfe gegen Ulmen und seine Ex-Frau, die Schauspielerin Collien Fernandes, zu veröffentlichen. Die Entscheidung markiert eine neue Wendung in einem Fall, der bundesweit für Aufsehen sorgt.
Ulmen hatte bereits im April vor dem Landgericht Hamburg Klage gegen Der Spiegel eingereicht. Das Gericht entschied im Mai, dass die Berichterstattung des Magazins über die Deepfake-Vorwürfe zulässig sei. Das Oberlandesgericht hat nun jedoch Teile dieses Urteils gekippt.
Das Gericht sah keine ausreichenden Beweise dafür, dass Ulmen mit Hilfe von KI gefälschte Pornografie mit Fernandes erstellt und verbreitet haben soll. Zudem darf Der Spiegel keine Zitate aus einer 50 Jahre alten E-Mail veröffentlichen, die Ulmen an seinen Verteidiger geschickt hatte, da diese in den „höchstpersönlichen Lebensbereich“ falle.
Fernandes wirft Ulmen körperliche Gewalt vor – darüber darf Der Spiegel weiterhin berichten. Sie behauptet zudem, er habe unter ihrem Namen gefälschte Social-Media-Profile angelegt, um mit anderen Männern in Kontakt zu treten. Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft Potsdam wegen separater Vorwürfe der häuslichen Gewalt gegen Ulmen.
Das Urteil ist ein wichtiger Erfolg für Ulmens Kanzlei Schertz-Bergmann, die argumentiert, dass die ursprüngliche Berichterstattung von Spiegel eine überzogene Folgeberichterstattung und eine einseitige öffentliche Debatte ausgelöst habe. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat inzwischen Pläne angekündigt, das Strafrecht gegen nicht einvernehmliche sexualisierte Deepfakes und „digitale sexualisierte Gewalt“ zu verschärfen.
Die einstweilige Verfügung beschränkt, was Der Spiegel über Ulmen veröffentlichen darf, erlaubt aber weiterhin die Berichterstattung über Fernandes’ Gewaltvorwürfe. Der Fall wirft rechtliche und ethische Fragen zu Deepfakes und Privatsphäre auf. Staatsanwaltschaften und Politiker befassen sich weiterhin mit den weiteren Auswirkungen des Skandals.
