Grüne und CDU in Baden-Württemberg: Neue Eskalation vor Koalitionsgesprächen
Ella WeihmannSkandalvorwurf vor Wahl - Fischer bittet Hagel um Vergebung - Grüne und CDU in Baden-Württemberg: Neue Eskalation vor Koalitionsgesprächen
In Baden-Württemberg sind die Spannungen zwischen den Grünen und der CDU neu aufgeflammt, nachdem ein umstrittenes Social-Media-Posting alte Vorwürfe wiederbelebt hat. Der Streit kommt nur wenige Wochen nach der Landtagswahl, bei der beide Parteien mit jeweils 56 Sitzen gleichauf lagen – und damit zu Koalitionsgesprächen gezwungen sind.
Auslöser war ein Beitrag der Grünen-Abgeordneten Simone Fischer, der sich gegen den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel richtete. Darin teilte sie ein acht Jahre altes Video, in dem Hagel sich über eine minderjährige Schülerin äußert, kombiniert mit einem Foto von ihm und den Schriftzügen "Offizielle Verwarnung" und "Versteckt eure Kinder". Fischer schwieg zunächst zu den Reaktionen, löschte den Post später jedoch.
Die Grünen-Politikerin Zoe Mayer hatte denselben Clip bereits zuvor verbreitet, was bereits eine Debatte über Sexismus ausgelöst hatte. Angesichts wachsender Kritik entschuldigte sich Fischer öffentlich bei Hagel – sowohl persönlich als auch in einem Interview mit dem Südwestrundfunk (SWR). Ihr Schritt wird nun als Versuch gewertet, vor den offiziellen Koalitionsverhandlungen die Wogen zu glätten.
Die Grünen haben die CDU inzwischen zu Sondierungsgesprächen über eine mögliche Regierungsbildung eingeladen. Die Christdemokraten stellen jedoch klare Bedingungen: Sie bestehen auf einer partnerschaftlichen Gleichberechtigung und lehnen es ab, als "Mehrheitsbeschaffer für linke Politik" zu dienen. Parteiführer betonen zudem, dass eine Koalition ihre inhaltlichen, stilistischen und politischen Grundwerte widerspiegeln müsse – andernfalls würden sie die Verhandlungen abbrechen.
Bei der Wahl am 8. März hatten die Grünen 30,2 Prozent der Stimmen erhalten, knapp vor der CDU mit 29,7 Prozent. Die Pattsituation zwingt beide Seiten nun zur Zusammenarbeit, obwohl die Union den Grünen nach dem Vorfall "schmutzige Wahlkampfmethoden" vorwirft.
Mit gleicher Sitzzahl bleibt der Weg zu einer stabilen Regierung ungewiss. Die Forderungen der CDU nach gleichem Einfluss und inhaltlicher Mitbestimmung könnten den Ausgang der Gespräche entscheiden. Fischers Entschuldigung mag zwar die Verhandlungen erleichtern – doch die tiefen Gräben in Sachen Kampagnenführung und politischer Ausrichtung bestehen weiter.






