Hamburg streicht medizinische Nothilfe für unversicherte Migrant:innen – mit tödlichen Folgen
Ella WeihmannHamburg streicht medizinische Nothilfe für unversicherte Migrant:innen – mit tödlichen Folgen
Nicht krankenversicherte Migrant:innen in Hamburg ohne finanzielle Absicherung für lebenswichtige Behandlungen
Seit Mitte Mai haben nicht krankenversicherte Migrant:innen in Hamburg keinen Zugang mehr zu finanzieller Unterstützung für dringend benötigte medizinische Behandlungen. Das Notfallhilfeprogramm der Stadt ist pleite – nachdem nur ein Bruchteil des beantragten Budgets bewilligt wurde. Das Unterstützungsnetzwerk Medinetz, das sich für Menschen ohne Krankenversicherung einsetzt, kritisiert die Sparmaßnahmen als rücksichtslos und nicht tragbar.
Die Clearingstelle im Hamburger Flüchtlingszentrum hilft unversicherten Personen dabei, medizinische Versorgung zu erhalten, oder übernimmt die Kosten für akute Behandlungen über einen kommunalen Notfallfonds. Allein 2024 bewilligte die Stelle für 678 von 781 Klient:innen Mittel in Höhe von rund 718.000 Euro für Behandlungen und Medikamente. Doch die Nachfrage steigt seit Jahren stark an: Die Zahl der Beratungen kletterte von 284 im Jahr 2012 auf über 2.300 in diesem Jahr.
Das Programm ist seit Langem unterfinanziert. Im Mai wurde nur etwa ein Fünftel der zusätzlich beantragten 500.000 Euro freigegeben. Dadurch war der Fonds schnell aufgebraucht – für den Rest des Jahres 2025 sind keine neuen Fälle mehr vorgesehen. Ähnliche Clearingstellen und Medinetz-Netzwerke gibt es auch in anderen norddeutschen Bundesländern, darunter Bremen, Hannover und Schleswig-Holstein.
Medinetz übt scharfe Kritik an der Entscheidung der Stadt: Ohne weitere Mittel blieben viele Menschen unbehandelt, mit dem Risiko schwerwiegender gesundheitlicher Folgen oder sogar tödlicher Verläufe. Die Organisation fordert Hamburg nun auf, das Koalitionsabkommen einzuhalten, umgehend zusätzliche Gelder bereitzustellen und ein nachhaltiges, bedarfsgerechtes Finanzierungsmodell zu schaffen.
Da der Notfallfonds bis Jahresende keine neuen Fälle mehr unterstützt, bleibt tausenden unversicherten Migrant:innen in Hamburg der Zugang zu lebenswichtiger medizinischer Versorgung verwehrt. Trotz steigender Nachfrage hat die Stadt es versäumt, das Budget anzupassen – Unterstützungsnetzwerke fordern nun dringend Gegenmaßnahmen.
