Kemptens Machtwechsel: Freie Wähler brechen 30-jährige CSU-Herrschaft
Kempten hat nach einer knapp umkämpften Stichwahl einen neuen Oberbürgermeister gewählt. Christian Schoch von den Freien Wählern (FW) setzte sich mit 55 Prozent der Stimmen gegen den Amtsinhaber Thomas Kiechle durch. Das Ergebnis beendet die drei Jahrzehnte währende Vorherrschaft der CSU an der Spitze der Stadt.
Die Wahl markiert einen tiefgreifenden Wandel in Kemptens politischem Gefüge. Die Christlich-Soziale Union (CSU) stellte seit 1996 den Oberbürgermeister, als Ulrich Netzer das Amt erstmals gewann. 2014 übergab Netzer das Amt an Thomas Kiechle, den Sohn des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Ignaz Kiechle.
Im Laufe der Jahre schwächte sich die Dominanz der CSU jedoch ab. Zwar verfügte die Partei in den 1990er-Jahren und frühen 2000ern noch über klare Mehrheiten im Stadtrat, verlor jedoch nach 2008 ihre absolute Mehrheit. Dies ebnete den Weg für Koalitionen mit den Freien Wählern und anderen Gruppen. Auch die Wahlbeteiligung schwankte stark: Sie erreichte 2014 mit 64,2 Prozent einen Höchststand, fiel in der aktuellen Stichwahl jedoch auf 43,6 Prozent.
Die jüngsten Ergebnisse spiegeln eine zersplitterte politische Landschaft wider. Die Freien Wähler liegen nun mit 29,1 Prozent (2020: 23,4 %) vorn, während die CSU auf 27,5 Prozent (2020: 30,2 %) zurückfiel. Die Grünen legten auf 17,8 Prozent zu, die SPD verlor dagegen und kam nur noch auf 11,2 Prozent. Kiechle, der als parteiloser SPD-Kandidat antrat, hatte 2020 die Stichwahl noch mit 56,4 Prozent für sich entschieden.
Mit Christian Schochs Sieg beginnt für Kempten eine neue Ära: Erstmals seit Jahrzehnten stellen die Freien Wähler den Oberbürgermeister. Die Wahl bestätigt zudem den Trend weg von der Einparteien-Herrschaft hin zu einem wettbewerbsorientierteren politischen Umfeld.






