Pflegeversicherung vor dem Kollaps: 22 Milliarden Euro Defizit drohen bis 2026
Michael TextorPflegeversicherung vor dem Kollaps: 22 Milliarden Euro Defizit drohen bis 2026
Deutschlands Pflegeversicherung steht vor dem finanziellen Kollaps
Das deutsche System der Pflegeversicherung steuert auf eine schwere Finanzkrise zu – mit einem erwarteten Defizit von über 22 Milliarden Euro in den nächsten zwei Jahren. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will bis Mitte Mai ein Sparpaket vorlegen, um die Lücke zu schließen, doch ihre Reformpläne stoßen bereits auf heftigen Widerstand.
Laut Warkens Entwurf sollen die Zuschüsse für stationäre Pflege gekürzt werden: Auszahlungen würden verzögert, und die maximale Kostenübernahme würde nach viereinhalb Jahren auf 70 Prozent gedeckelt. Derzeit zahlen Heimbewohner:innen rund 3.200 Euro monatlich aus eigener Tasche, wobei die staatlichen Zuschüsse schrittweise steigen. Doch Heinz Rothgang, Pflegeexperte der Universität Bremen, schätzt, dass die geplanten Änderungen die Eigenbeteiligung im Schnitt um 161 Euro pro Monat erhöhen würden. Über den gleichen Zeitraum könnten auf die Betroffenen so fast 20.000 Euro zusätzliche Kosten zukommen.
Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse DAK, übt scharfe Kritik an den Plänen und fordert, Warkens Reformen komplett zu verwerfen. Zudem erwartet er, dass die Ministerin vorschlagen wird, die Rentenansprüche von pflegenden Angehörigen zu halbieren. Storm appelliert an die Bundesregierung, den aktuellen Entwurf fallen zu lassen und stattdessen einen grundlegenden Neuanfang in der Pflegepolitik einzuleiten.
Die geplanten Kürzungen sollen zwar das Defizit verringern, würden aber die finanziellen Lasten auf Pflegebedürftige und ihre Angehörigen abwälzen. Sollten die Änderungen umgesetzt werden, träten sie in den kommenden Jahren schrittweise in Kraft – und würden den Druck auf die Betroffenen deutlich erhöhen.






