Rebellische Künstler in der DDR: Wie Dresdner Avantgardisten den Sozialistischen Realismus herausforderten
Ella WeihmannRebellische Künstler in der DDR: Wie Dresdner Avantgardisten den Sozialistischen Realismus herausforderten
In den 1970er- und 1980er-Jahren stellte eine Gruppe ostdeutscher Künstler die strengen Vorgaben des Sozialistischen Realismus infrage. Viele von ihnen hatten an der renommierten Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert – einer Institution, die einst als Vorbild für staatlich genehme Kunst galt. Ihr Widerstand führte zu Ausstellungsverboten, Überwachung und sogar zur vorübergehenden Schließung eines Museums im Jahr 1982.
Dresden galt als künstlerisches Zentrum der DDR und war alle fünf Jahre Schauplatz der zentralen Kunstausstellungen des Landes im Albertinum. Die Hochschule für Bildende Künste prägte die Szene bis in die späten 1970er-Jahre hinein und setzte die Prinzipien des Sozialistischen Realismus durch. Zu ihren Studenten zählten Hans Scheib, Eberhard Göschel, Helge Leiberg und andere, die sich später von der Tradition abwandten.
Zunächst ließen sich diese jungen Künstler vom expressionistischen Brücke-Stil inspirieren – eine Richtung, die im Widerspruch zur Staatsdoktrin stand. Viele mussten Konsequenzen hinnehmen: Sie wurden von Aufträgen ausgeschlossen, ihre Ausstellungen verboten, und sie gerieten ins Visier der Stasi. Eberhard Göschel, Absolvent der Hochschule und Mitbegründer des Obergrabenpresse-Verlags, entwickelte sich zu einer Schlüsselfigur des Widerstands.
Hans Scheib eröffnete in Berlin private Ausstellungsräume, zunächst 1977 in der Raumerstraße 23, später 1980 in der Sredzkistraße 64. Gleichzeitig organisierten Göschel und Leiberg thematische Gruppenausstellungen im Dresdner Leonhardi-Museum. Ihre Schau im Jahr 1982 provozierte die Behörden so sehr, dass das Museum vorübergehend geschlossen wurde.
Das Wirken dieser Künstler legte die Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und staatlicher Kontrolle in der DDR offen. Ihre – oft unterdrückten – Ausstellungen schufen Räume für Dissens. Bis in die 1980er-Jahre hinein hinterließ ihr Widerstand bleibende Spuren in der Kulturlandschaft Ostdeutschlands.






