Wirtschaftsthemen verschwinden aus ARD- und ZDF-Talkshows – nur noch jede fünfte Sendung betroffen
Lia JunitzWirtschaftsthemen verschwinden aus ARD- und ZDF-Talkshows – nur noch jede fünfte Sendung betroffen
Ein neuer Bericht offenbart einen drastischen Rückgang wirtschaftspolitischer Themen in deutschen öffentlich-rechtlichen Talkshows. 2025 widmete sich nur noch jede fünfte Sendung der Wirtschaftspolitik – ein deutlicher Rückgang gegenüber fast einem Drittel zwei Jahre zuvor. Kritiker werfen den Sendern ARD und ZDF nun vor, ihre Pflicht zur ausgewogenen Berichterstattung über finanzpolitische Fragen zu vernachlässigen.
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), ein von der Wirtschaft unterstütztes Netzwerk, analysierte 284 Talkshow-Folgen aus dem Jahr 2025. Die Ergebnisse zeigen: Weder ARD noch ZDF hatten in den vergangenen fünf Jahren auch nur eine einzige Sendung ausschließlich wirtschaftlichen Themen gewidmet. INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben kritisierte die Sender scharf für die Vernachlässigung der Wirtschaftsthemen und warf ihnen vor, ihrem öffentlichen Auftrag nicht gerecht zu werden.
Der Bericht macht zudem auf ein eklatantes Ungleichgewicht bei den Gästen in wirtschaftspolitischen Diskussionen aufmerksam. Zwar behandelten 32 Prozent der Sendungen finanzielle Themen, doch in fast einem Drittel davon kamen überhaupt keine Vertreter aus der Wirtschaft zu Wort. Unternehmer machten lediglich fünf Prozent der Gäste aus, Vertreter von Wirtschaftsverbänden nur zwei Prozent. Die Gästelisten dominierten stattdessen Politiker mit 41 Prozent, gefolgt von Journalisten (27 Prozent) und Ökonomen (14 Prozent).
Nicht alle Formate schnitten schlecht ab: "hart aber fair" stach positiv hervor, indem die Sendung 39 Prozent ihrer Folgen wirtschaftlichen Themen widmete und konsequent unternehmerische Perspektiven einband. Dagegen wies "Maischberger" die schwächste Bilanz auf – in 80 Prozent der wirtschaftsbezogenen Ausgaben fehlten Vertreter aus der Wirtschaft vollständig. Alsleben forderte dringende Reformen und rief die Sender auf, Unternehmensvertretern mehr Sendezeit einzuräumen und für eine fairere Repräsentation zu sorgen.
Die Studie unterstreicht eine wachsende Kluft zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und der wirtschaftlichen Debatte. Da Unternehmerstimmen kaum Gehör finden, warnt die INSM, dass den Zuschauern entscheidende Blickwinkel vorenthalten bleiben. Die Ergebnisse werfen die Frage auf, ob ARD und ZDF ihre Gästelisten und Programmgestaltung anpassen werden, um wirtschaftliche Belange künftig angemessener widerzuspiegeln.






