Zwei Statuen, zwei Geschichten: Gedenken und Streit um öffentliche Denkmäler
Ella WeihmannZwei Statuen, zwei Geschichten: Gedenken und Streit um öffentliche Denkmäler
An der Seite einer ländlichen Straße in Brandenburg steht leise eine Stahlstatue einer Frau. Sie ehrt Jutta Baumwol, ein Opfer des Holocaust, sowie andere, die während des Zweiten Weltkriegs zur Zwangsarbeit gezwungen wurden. Die Skulptur wurde 2018 am Eingang des Gutshofs Neuendorf im Sande aufgestellt.
Unterdessen wurde in Washington D.C. kürzlich eine Statue von Christoph Kolumbus in der Nähe des Weißen Hauses errichtet. Dieser Schritt erfolgte, nachdem im vergangenen Jahr im Zuge von Protesten ähnliche Denkmäler in den USA gestürzt worden waren.
Die Figur aus Cortenstahl in Brandenburg erinnert an eine schmerzhafte Vergangenheit. Jutta Baumwol, einst Bewohnerin von Neuendorf, wurde nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Bruder setzte sich später für die Schaffung der Statue als Ort des Gedenkens ein. Jährlich versammeln sich Besucher am Holocaust-Gedenktag (27. Januar) und am Tag der Befreiung (8. Mai), um ihrer zu gedenken. In diesem Mai werden besonders viele erwartet – es wäre Baumwols 101. Geburtstag gewesen.
Auf der anderen Seite des Atlantiks wurde die neue Kolumbus-Statue an der Nordseite des Eisenhower Executive Office Building platziert. Präsident Donald Trump hatte ihre Aufstellung angeordnet, nachdem Black-Lives-Matter-Proteste zur Entfernung anderer umstrittenen Denkmäler geführt hatten. Italienisch-amerikanische Gruppen unterstützen die Entscheidung und sehen darin eine Würdigung ihres kulturellen Erbes.
Die beiden Statuen stehen für einen markanten Kontrast – die eine als Hommage an Opfer von Unterdrückung, die andere als Figur, deren Vermächtnis heftig diskutiert wird. Die Skulptur in Brandenburg wird weiterhin Besucher anziehen, besonders im Mai, als Ort der Besinnung. In Washington bleibt das Kolumbus-Denkmal ein Kristallisationspunkt für Debatten über Geschichte und Repräsentation. Beide mahnen uns, wie öffentliche Denkmäler Erinnerung prägen und gesellschaftliche Diskussionen anregen.






