Bürgergeld und Jobcenter: Warum Langzeitarbeitslose immer seltener einen Job finden
Wilhelm RoskothFür fast jeden zweiten Menschen ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Bürgergeld und Jobcenter: Warum Langzeitarbeitslose immer seltener einen Job finden
Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die Jobcenter in Deutschland zunehmend Schwierigkeiten haben, Langzeitarbeitslosen bei der Stellensuche zu helfen. Seit der Einführung des Bürgergelds im Januar 2023 ist die Zahl der Leistungsbezieher gestiegen, während die Vermittlungsquoten gesunken sind. Fast die Hälfte der langzeitarbeitslosen Menschen gibt an, dass ihre Besuche in den Jobcentern ihre Jobchancen kaum verbessern.
Die zwischen Mitte April und Mitte Juni 2025 durchgeführte Erhebung befragte über 1.000 erwerbslose Erwachsene zwischen 25 und 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld beziehen. Dabei stellte sich heraus, dass 46 Prozent mit mehreren Hürden konfrontiert sind – darunter gesundheitliche Probleme oder fehlende Qualifikationen. Dennoch bewerteten mehr als zwei Drittel der Befragten das Personal der Jobcenter als hilfsbereit, und fast drei Viertel hielten es für kompetent.
Vor 2023 fanden unter dem alten Hartz-IV-System jährlich noch etwa 25 bis 30 Prozent der Langzeitarbeitslosen eine Anstellung. Seit der Einführung des Bürgergelds liegt dieser Wert bei unter 20 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Leistungsempfänger von 5,3 auf 5,5 Millionen. Die Studie empfiehlt den Jobcentern, mehr auf Coaching, Weiterbildungsangebote und direkte Arbeitsvermittlung zu setzen, um die Situation zu verbessern.
Für Menschen ohne größere Hindernisse rät der Bericht zu einer stärkeren Eigeninitiative bei der Stellensuche – selbst wenn dies bedeutet, dass einige mit der Unterstützung unzufriedener sind. Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem der Bundestag das Bürgergeld durch ein strengeres Sozialsystem ersetzen will, das ab dem 1. Juli 2026 gelten soll.
Ziel der Reform ist es, die stagnierenden Vermittlungsquoten bei Langzeitarbeitslosen zu erhöhen. Angesichts der rückläufigen Erfolge der Jobcenter bei der Arbeitsvermittlung wird das neue System voraussichtlich auf strengere Auflagen und gezieltere Förderung setzen. Die Studienergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit von Veränderungen in der Arbeitsweise der Jobcenter, um Menschen beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt besser zu unterstützen.