Deutschlands Wirtschaft schwächelt – SPD fordert Steuerreform für mehr Gerechtigkeit
Michael TextorDeutschlands Wirtschaft schwächelt – SPD fordert Steuerreform für mehr Gerechtigkeit
Die Wirtschaftslage Deutschlands hat sich eingetrübt, nachdem führende Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen für 2026 deutlich nach unten korrigiert haben. Der Abschwung folgt auf die eskalierenden Spannungen im Iran-Konflikt, der Ende Februar begonnen hatte. Vor diesem Hintergrund drängt die SPD auf Steuerreformen, die Vermögende stärker belasten, während Geringverdiener entlastet werden sollen.
Die Partei besteht darauf, dass Ausgabenkürzungen mit höheren Steuern auf Spitzenverdiener, Erbschaften und Kapitalerträge einhergehen müssen. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer lehnt sie jedoch kategorisch ab – mit der Begründung, diese würde einkommensschwache Haushalte am stärksten treffen.
Fünf renommierte Wirtschaftsforschungsinstitute – RWI, Ifo-Institut, Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW), IWH und DIW – haben ihre Prognosen für das deutsche BIP-Wachstum 2026 gesenkt. Die im Herbst noch erwarteten 1,3 % für dieses und 1,4 % für das kommende Jahr wurden auf 0,6 % bzw. 0,9 % nach unten korrigiert. Auch die Inflationserwartungen stiegen von 2,0–2,3 % auf 2,8–2,9 %. Lediglich das DIW Berlin rechnet mit etwas geringeren Auswirkungen und prognostiziert ein Wachstum von 1,0 % und 1,4 % sowie eine Inflation von 2,4 %.
Angesichts der konjunkturellen Abkühlung setzt die SPD weiter auf ihre Steuerreformpläne. Wiebke Esdar, eine führende Vertreterin der Partei, kritisiert, das aktuelle Steuersystem begünstige unrechtmäßig Wohlhabende, während Haushalte mit niedrigem Einkommen übermäßig belastet würden. Der SPD-Vorschlag sieht vor, die Einkommensteuer für 95 % der Arbeitnehmer zu senken und die Last stattdessen auf Besserverdiener zu verlagern.
Um die Binnennachfrage nicht zusätzlich zu belasten, schließt die SPD eine Erhöhung der Mehrwertsteuer aus. Stattdessen schlägt sie die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer, verschärfte Erbschaftsregeln oder eine Reform der Kapitalertragsbesteuerung vor. Esdar betont, dass finanziell besser Gestellte einen größeren Beitrag leisten müssten, um öffentliche Dienstleistungen und sozialen Zusammenhalt zu sichern.
Die revidierten Prognosen unterstreichen die wirtschaftliche Belastung durch geopolitische Spannungen und zwingen Deutschland zu einer Neuausrichtung seiner Finanzpolitik. Der SPD-Vorstoß für eine progressive Besteuerung zielt darauf ab, Geringverdiener zu entlasten und gleichzeitig Haushaltslücken zu schließen. Wie sich diese Pläne mit der geschwächten Wachstumsperspektive vereinen lassen, bleibt jedoch abzuwarten.






