05 April 2026, 10:21

EU-Kommission lockert Emissionshandel: Chemieindustrie erhält mehr kostenlose Zertifikate

Diagramm, das die Emissionsreduktionsziele des Pariser Abkommens mit zwei Linien zeigt: blau für die tatsächlichen Emissionen und grün für die Reduktionsziele, die beide im Laufe der Zeit steigen.

EU-Kommission lockert Emissionshandel: Chemieindustrie erhält mehr kostenlose Zertifikate

EU-Kommission präsentiert reformierte Pläne für den Emissionshandel – Entlastung für die Chemieindustrie

Die Europäische Kommission wird an diesem Mittwoch ihre neuesten Vorschläge zur Reform des EU-Emissionshandelsystems (ETS) vorlegen. Die Änderungen deuten auf eine Entlastung für die Chemieindustrie hin – nach monatelanger Lobbyarbeit großer Unternehmen und Abgeordneter, die sich über die hohen Energiekosten besorgt zeigen. Strengere Reformforderungen scheinen damit zugunsten eines flexibleren Ansatzes in den Hintergrund zu treten.

Ursprünglich hatte das EU-Paket "Fit für 55" aus dem Jahr 2023 verschärfte Regeln für den Emissionshandel vorgesehen, darunter strengere Benchmarks und weniger kostenlose Zertifikate. Doch Branchenvertreter wie Evonik-Chef Christian Kullmann hatten Widerstand geleistet und gefordert, das System entweder grundlegend zu reformieren oder abzuschaffen. Kullmann verfasste sogar gemeinsam mit dem EU-Abgeordneten Peter Liese einen Gastbeitrag, in dem er zu "pragmatischem Handeln" und "klugen Kompromissen" in der Klimapolitik aufrief.

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Die neuen Vorschläge markieren nun einen deutlichen Kurswechsel: Kostenlose Emissionszertifikate für die Chemieindustrie werden nicht nur verlängert, sondern auch über einen längeren Zeitraum erhöht. Die Anpassung der Benchmarks für die Zertifikatevergabe erfolgt schrittweiser – rückwirkend ab 2026. Eine weitere zentrale Änderung ist die dauerhafte Abschaffung der Zertifikatestreichungen im Rahmen der Marktstabilitätsreserve (MSR), einem Instrument zur Steuerung des Angebots an CO₂-Zertifikaten.

Die Anpassungen erfolgen vor dem Hintergrund weiterhin hoher Energiepreise, die die Branche zusätzlich belasten – besonders angesichts der ohnehin strengen Klimavorgaben. Die gemäßigtere Haltung der Kommission deutet auf einen Spagat hin: Klimaziele sollen zwar nicht aus den Augen verloren werden, doch die unmittelbare finanzielle Belastung für die Industrie wird verringert.

Die überarbeiteten ETS-Reformen geben Chemieunternehmen mehr Zeit und Unterstützung für die Umstellung. Kostenlose Zertifikate bleiben länger gültig, Benchmarks werden langsamer angepasst, und die MSR streicht keine Zertifikate mehr. Die Änderungen spiegeln einen Kompromiss wider – zwischen Klimaschutzzielen und den Sorgen der Wirtschaft über die Kosten.

Quelle