Softwarekonzern zwischen Rekordwachstum und Aktiencrash nach holpriger Übernahme
Wilhelm RoskothSoftwarekonzern zwischen Rekordwachstum und Aktiencrash nach holpriger Übernahme
Ein führender Anbieter von Unternehmenssoftware hat gemischte Finanzzahlen für das vergangene Jahr vorgelegt. Zwar verzeichnete das Kerngeschäft ein kräftiges Wachstum, doch der Aktienkurs stürzte innerhalb von zwölf Monaten um fast 65 Prozent ab. Zudem kämpft das Unternehmen weiterhin mit Problemen bei seiner jüngsten Übernahme und einer steigenden Abwanderungsrate der Kunden.
Der Unternehmensbereich entwickelte sich positiv: Die jährlichen wiederkehrenden Erträge (Annual Recurring Revenue, ARR) stiegen um 11 Prozent auf 241 Millionen Euro. Ein Rekorddeal in den USA trieb das Wachstum im Kerngeschäft mit einem Plus von 19 Prozent voran. Die Umsätze im traditionellen Segment der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gingen jedoch leicht zurück.
Die Aktie litt unter der Entwicklung und erreichte mit 4,48 Euro ein 52-Wochen-Tief – ein Verlust von fast zwei Dritteln ihres Werts. Die 2024 erfolgte Übernahme des britischen Softwareunternehmens 1E verlief holprig: Betriebliche Störungen und der Abgang wichtiger Mitarbeiter bremsten die Integration.
Für das erste Quartal 2026 rechnet das Unternehmen mit einem einmaligen Kundenverlust in Höhe von etwa 8 Millionen Euro, der auf die Übernahme zurückzuführen ist. Die Abwanderungsrate kletterte im letzten Quartal auf 16,4 Prozent und wird voraussichtlich erst Mitte 2026 wieder sinken. Für das Gesamtjahr prognostiziert die Geschäftsführung ein stagnierendes bis leichtes Umsatzwachstum von 0 bis 3 Prozent (währungsbereinigt) bei einer bereinigten EBITDA-Marge von rund 43 Prozent.
Trotz der Herausforderungen treibt das Unternehmen Produktinnovationen voran. Geplant sind neue Schnittstellen zu Microsoft Intune sowie eine Partnerschaft mit Cybus für Anwendungen im Bereich Augmented Reality. Zudem steht der Wechsel vom MDAX in den SDAX an, was indexnachbildende Fonds zu Anpassungen ihrer Portfolios zwingen wird.
Die Aussichten bleiben verhalten: Mit schwachem Umsatzwachstum und anhaltenden Problemen bei der Kundenbindung. Die Aktionäre werden genau beobachten, ob es der Führung gelingt, die Geschäfte zu stabilisieren und die versprochenen Produktupdates umzusetzen. Der Wechsel in den SDAX wird in den kommenden Monaten zusätzlich Auswirkungen auf die Anlegerportfolios haben.