UniCredit bietet 35 Milliarden für Commerzbank – doch Berlin blockt den Deal
Ella WeihmannUniCredit bietet 35 Milliarden für Commerzbank – doch Berlin blockt den Deal
UniCredit startet 35-Milliarden-Euro-Übernahmeangebot für Commerzbank
Die italienische Großbank UniCredit hat ein Übernahmeangebot in Höhe von 35 Milliarden Euro für die Commerzbank vorgelegt und bietet den Aktionären eine Prämie von 4 Prozent auf den aktuellen Aktienkurs. Der Vorstoß stößt jedoch auf massiven Widerstand der deutschen Bundesregierung, die mit einer Beteiligung von 12 Prozent an der Bank auf deren Unabhängigkeit pocht.
Die Märkte reagierten prompt: Nach der Bekanntgabe am Montag, dem 16. März 2026, stieg der Commerzbank-Kurs um fast 10 Prozent.
UniCredits formelles Angebot bewertet jede Commerzbank-Aktie mit 30,80 Euro und schlägt einen Umtausch von 0,485 neuen UniCredit-Aktien pro Commerzbank-Aktie vor. Das bereits im September 2024 erstmals angedeutete Übernahmevorhaben trifft seit Beginn auf Skepsis. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte die Haltung der Regierung und forderte eine "starke und unabhängige Commerzbank", während er einen Verkauf kategorisch ausschloss.
Die Marktentwicklung verlief gemischt: Der Kursanstieg der Commerzbank trieb den DAX um 0,53 Prozent nach oben, doch die Gewinne fielen uneinheitlich aus. Bayer legte nach positiven Studienergebnissen zu, und auch Siemens Energy verbuchte Zuwächse. Gleichzeitig litten zyklische Werte und Reiseaktien unter steigenden Ölpreisen – Lufthansa, TUI und Beiersdorf mussten Federn lassen.
Analysten werten das Angebot von UniCredit-Chef Andrea Orcel weniger als endgültigen Übernahmeversuch, sondern vielmehr als taktischen Schachzug, um Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp an den Verhandlungstisch zu zwingen. Der DAX notiert weiterhin unter seinem 50-Tage-Durchschnitt, wobei Händler die Marke von 22.900 Punkten genau beobachten. Ein Fall unter diese Schwelle könnte weitere Verkäufe auslösen, während ein Anstieg über 24.000 Punkte auf eine stärkere Aufwärtsdynamik hindeuten würde.
Widerstand kommt nicht nur aus der Politik: Auch die Gewerkschaft Verdi meldete sich zu Wort und warnte vor möglichen Stellenstreichungen und negativen Folgen für den Geschäftsbetrieb der Commerzbank. UniCredits formelles Angebot wird für Mai erwartet – doch angesichts der politischen und unternehmerischen Gegenwehr bleibt der Ausgang des Deals ungewiss.
Das Übernahmeangebot hat einen Machtkampf zwischen UniCredits Expansionsplänen und dem deutschen Willen entfacht, die Commerzbank zu schützen. Während sich Regierung und Gewerkschaften geschlossen gegen die Transaktion stellen, hängt das Ergebnis davon ab, ob UniCredit die Aktionäre überzeugen oder seine Konditionen anpassen kann.
Vorerst bleibt die Entwicklung des DAX eng mit dem weiteren Verlauf des unternehmerischen und politischen Kräftemessens in den kommenden Wochen verknüpft.