Frankfurter Buchmesse überrascht mit Raketenwerfern statt Literaturdebatten

Ella Weihmann
Ella Weihmann
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Ein altes Buch mit einer Zeichnung eines Mannes, der eine Rakete hält, mit der Aufschrift "Die Kriegsgeister" auf der Seite.Ella Weihmann

Frankfurter Buchmesse überrascht mit Raketenwerfern statt Literaturdebatten

Die diesjährige Frankfurter Buchmesse zeigt sich von einer unerwarteten Seite: Statt klassischer literarischer Diskussionen prägen kriegsbezogene Inszenierungen das Bild. Ein riesiger Raketenwerfer beherrscht nun den zentralen Agora-Innenhof, während Verlage in nahegelegenen Hotels Militärmodelle und sogar Lego-Raumschiffe aus Star Wars präsentieren. Trotz des Themenwechsels herrscht unter den Besuchern überraschend entspannte Stimmung.

Der einst für literarische und politische Debatten genutzte Messehof wird nun von einem auf einem Lkw montierten Raketenwerfer dominiert. Viele vermuten dahinter eine Rekrutierungskampagne der Bundeswehr, die gezielt Fachkräfte anwerben will. In unmittelbarer Nähe stellt ein kleiner Verlag ein Modell des "Maiale" aus – eines italienischen Torpedos aus dem Zweiten Weltkrieg –, um für einen Roman über einen Faschisten und einen spanischen Buchhändler zu werben.

Doch die Kriegsmotive beschränken sich nicht auf Bücher. In einem Frühstücksraum eines Hotels in Sachsenhausen haben Lego-Star-Wars-Raumschiffe und andere Spielzeug-Kriegsmaschinen Einzug gehalten. Selbst die Essensstände haben sich angepasst: Österreichische Anbieter servieren statt Schnitzel nun Kartoffelsuppe – passend zum Schützengraben-Flair.

Die Reaktionen der Besucher fallen gemischt aus. Manche diskutieren die ethischen Implikationen militärischer Präsentationen auf einer Kulturveranstaltung und fragen sich, ob dies den Charakter der Messe verwässert. Andere debattieren über grundsätzliche Themen wie Machtgefälle am Arbeitsplatz, Korruption oder die Frage, was es bedeutet, "charakterschwach" zu sein. Doch trotz der provokativen Elemente bleibt die Stimmung gelassen – vom üblichen Trubel ist wenig zu spüren.

Offiziell hat sich am thematischen Fokus der Messe in ihren fünfjährigen Bestrebungen nichts geändert. Doch die Präsenz von Militärrequisiten – von Raketen bis zu Kriegsverpflegung – hat das Erlebnis unübersehbar geprägt. Ob es sich dabei um eine vorübergehende Kuriosität oder einen dauerhaften Wandel handelt, wird sich noch zeigen.

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